Die Ausbilder
Celina Purfürst und Menelaos Kouloudis
Die beiden Ausbilder könnten unterschiedlicher nicht sein: Menelaos Kouloudis ist Teamleiter in der Färberei und hat schon mehr als 20 Auszubildende betreut. Personalreferentin Celina Purfürst bildet seit 2020 Industriekaufleute aus. Wie die beiden ticken, wie sie ihre Arbeit wahrnehmen und wer beim Jugendslang schon mal nachschlagen muss, lesen Sie im Interview.
Erinnert ihr euch noch an euren ersten Tag als Azubis?
Celina: Ja! Wir haben einen Rundgang gemacht im Unternehmen und kamen dann in unsere jeweiligen Abteilungen. Mein erster Eindruck war: Es ist alles sehr groß und sehr viel. Ich musste wirklich schauen, dass ich den Ausgang wiederfinde und meinen Bus rechtzeitig schaffe. [lacht]
Menelaos: Puh…Das war 1988. Damals habe ich als Maschinen- und Anlagenführer angefangen, in einer sehr großen Färberei für Textilien. Dort war der erste Tag nicht so organisiert mit großer Begrüßung und Snacks. Da ging es gleich ran ans Mitmachen und Arbeiten. Das war ein ganz anderes Umfeld. Aber mich haben da schon diese vielen verschiedenen Maschinen begeistert. Von der Ausbildung zehre ich jetzt noch.
Heute seid ihr auf der anderen Seite. Warum seid ihr Ausbilder bzw. Ausbilderin geworden?
Menelaos: Das ist eigentlich ganz einfach. Dadurch, dass mir selbst sehr vielfältige Möglichkeiten geboten wurden, habe ich gewusst: Ich muss das an die angehenden Textilveredler weitergeben.
Celina: Ich hatte selbst verschiedene Ausbilder in meiner Zeit und möchte den Azubis gern Stabilität geben und als Ansprechpartnerin zur Seite stehen. Ich organisiere zum Beispiel monatliche Treffen mit allen acht Industriekaufleuten. Dann sitzen wir einfach zusammen und besprechen Aktuelles. Manchmal „quäle“ ich die Azubis mit Kopfrechnen, damit sie in der Prüfung schneller durchkommen. Mir ist wichtig, dass sich alle gegenseitig helfen und sich vernetzen.
Welche Situation mit einem Azubi ist euch am meisten in Erinnerung geblieben?
Celina: Da hatte ich noch gar nicht so viel – aber du vielleicht, oder?
Menelaos: Ja, mit Jana Strobel war ich mal in Berlin. Sie war Landesbeste, deshalb wurden wir eingeladen und haben eine Führung durchs politische Zentrum gemacht – und zwar unterirdisch. Das war echt interessant. Auch mit Celine Frommelt habe ich jetzt wieder eine Landesbeste bei mir. Und wenn ich so überlege, es gab schöne Projekte. Zum Beispiel einen schwarz-rot-goldenen Strumpf für Sanitätshäuser, zur WM war das glaube ich. Da habe ich auch Azubis eingespannt.
Haben sich die Azubi-Generationen aus deiner Sicht verändert? Und wenn ja, wie?
Menelaos: Mit meinen Azubis hatte ich immer Riesenglück. Im Allgemeinen denke ich, dass sich die Erwartungshaltung verändert hat. Früher haben sich die Azubis bei den Firmen beworben. Heute ist es durch den Fachkräftemangel quasi umgekehrt. Mein Eindruck ist, sie gehen heute eher davon aus, dass die Firma einen Großteil für ihren guten Abschluss tut – einfach, weil alles so gut durchorganisiert ist. Manchmal würde ich mir ein wenig mehr Eigeninitiative wünschen, zum Beispiel, dass die Azubis Dinge selbst aktiv nachfragen, probieren und lösen.
Worauf kommt es bei euch als Ausbilder besonders an?
Menelaos: Man muss bereit zu sein, diesen Job neben dem normalen Alltagsgeschäft mitzumachen. Ich hätte gern mehr Zeit dafür. Da ist die Unterstützung durch die Kollegen auch wichtig. Ich habe so viele, die da helfen. Eigentlich machen die Färber und die Leute im Labor die Ausbildung. Denen bin ich da dankbar. Ich schaue nur, woher der Azubi das Wissen bekommt, das er braucht.
Celina: Genau, wir sind Teilzeitausbilder und müssen uns die Zeit nehmen. Und natürlich brauchen wir auch starke Nerven bei dem Jugendslang. Dafür nutze selbst ich schon ein Übersetzungsprogramm.
Und wenn du das als junge Ausbilderin schon sagst…Welches Wort musstest du zuletzt nachschlagen?
Celina: Vor einiger Zeit habe ich das Wort „smashen“* nachgeschlagen, weil ich es auf einer Ausbildungsmesse aufgeschnappt habe – und habe jetzt gemerkt, dass das sogar das Jugendwort 2022 war.
Was bekommt ihr bei der Arbeit mit Azubis zurück?
Celina: Die Azubis sind dankbar für die Unterstützung. Und ich freue mich, wenn ich positive Rückmeldungen aus den Fachabteilungen bekomme.
Menelaos: Wenn ich sehe, da wächst was heran, dann ist das genug. Zum Beispiel, wenn einer im zweiten Lehrjahr schon richtig mit färben kann, sozusagen als vollwertiger Mitarbeiter. Dann ist das `ne coole Sache.
*Für alle, die nicht nachschlagen wollen: Das Jugendwort 2022 lautet „smash“. Es wird vornehmlich als Verb verwendet („smashen“) und bedeutet „mit jemandem etwas anfangen“ oder auch „jemanden abschleppen“.
Über Celina Purfürst
Celina Purfürst hat selbst ihre Ausbildung zur Industriekauffrau bei Bauerfeind absolviert und ist jetzt Personalreferentin. Ihren Ausgleich zur Arbeit findet die 23-Jährige seit 13 Jahren im Faschingsverein, in dem sie sich auch als Vorständin engagiert. Außerdem hat sie eine „eigene Bibliothek“ zu Hause, die bereits aus mehr als 150 Büchern besteht.
Über Menelaos Kouloudis
Menelaos Kouloudis ist seit 12 Jahren bei Bauerfeind beschäftigt und leitet das Team in der Färberei in Zeulenroda. Der 50-Jährige kommt aus Hof in Oberfranken. In seiner Freizeit spielt Sport eine große Rolle: Entweder er ist selbst auf dem Mountainbike oder Rennrad unterwegs oder er geht ins Stadion zu seinem Lieblingsverein, dem 1. FC Nürnberg.