„Ich mache mir mein eigenes Bild“
Heike Stojanek, Deutschland

Wenn sie in der Stadt unterwegs ist, dann wird Heike Stojanek sehr oft gegrüßt. Und die Personalreferentin grüßt immer zurück. Dabei, so gesteht die 59-Jährige, erinnere sie sich nicht in jedem Fall an den Namen. Aber an Gesichter! Heike Stojanek stellt seit 24 Jahren Menschen bei Bauerfeind ein. Da bleibt eine gewisse Bekanntheit in und um Zeulenroda einfach nicht aus.
„Damals mussten wir auch Leuten absagen.“ Es klingt unglaublich, wenn Heike Stojanek von ihren Anfängen in der Bauerfeind-Personalabteilung erzählt. Es ist das Jahr 1998, der Film «Titanic» wird der bis dahin teuerste und finanziell erfolgreichste Film aller Zeiten. In Deutschland gewinnen SPD und Grüne die Bundestagswahl. Die 16-jährige Ära von Helmut Kohl (CDU) ist im Oktober zu Ende. Gerhard Schröder (SPD) wird Kanzler. Bauerfeind baut in Zeulenroda kräftig weiter aus und sucht Beschäftigte, vor allem für die Produktion. Kein Problem. Der Standort hat textile Tradition und als die ehemaligen DDR-Betriebe die Wende nicht schaffen, suchen viele eine neue Arbeit in der Stadt. Zeitweise sieht man sich auch bei Bauerfeind einer „Bewerberflut“ ausgesetzt: Es gibt überall ein so großes Angebot an qualifizierten Fachkräften, dass die Unternehmen mehr oder weniger freie Wahl haben. Heute ist es genau umgekehrt. Auch die Arbeit in der Personalabteilung hat sich verändert.
1998 ist Heike Stojanek zunächst Einzelkämpferin. Sie bewältigt allein die Bewerbungseingänge. Alles kommt mit der Post. Sie kümmert sich um das Bewerber-Management. Alles geht damals auf dem postalischen Weg. Dazwischen viele Bewerbungsgespräche: Als Halle 2 gebaut wird, sind das eben mal 25 die Woche. Heike Stojanek darf den Überblick nicht verlieren und behält ihn – auch dank eines modernen Tabellenkalkulationsprogrammes namens „Microsoft Excel 98“.
Dabei ist sie von Haus aus gelernte Facharbeiterin für Textil- und Bekleidungstechnik, also Näherin. Doch sie möchte nicht in diesem Beruf bleiben und beginnt 1982, gleich nach der Lehre, beim VEB Strickbandagen Zeulenroda in der Materialwirtschaft. Nebenbei qualifiziert sie sich zur Wirtschaftskauffrau/Industrie. 1992 erfolgt die Übernahme bei Bauerfeind. Jemanden, der sich ausschließlich um das Personal kümmert, gibt es zu der Zeit noch nicht. Als Heike Stojanek 1998 gefragt wird, ob sie diesen Job übernehmen könnte, äußert die anpackende Frau lediglich einen Wunsch: Sie möchte das Fach richtig lernen. Also laufen Praxis und Theorie parallel. Und so ist Heike Stojanek 1998 in Zeulenroda die erste (und eine Zeit lang auch einzige) Personalreferentin bei Bauerfeind und schließt 2002 ihre Ausbildung zur Personalfachkauffrau erfolgreich ab.
Heike Stojanek schätzt vor allem die vorbereiteten Bewerber. In die Gespräche geht sie ohne vorgefasste Meinung. „Auf´s Bild könnte ich verzichten, ich mache mir mein eigenes von dem Menschen, der mir gegenüber sitzt“, sagt die erfahrene Personalreferentin und es ist wohl diese intensive Beschäftigung mit einem Menschen, der sie Gesichter nicht vergessen lässt. Wie viele Bewerbungsgespräche sie in all´ den Jahren geführt hat, weiß Heike Stojanek nicht. Eine „Bewerberflut“ an Fachkräften wie in ihren Anfangsjahren, gab es jedoch nie wieder.
Über Heike Stojanek
Heike Stojanek ist ein Familienmensch und sehr bodenständig: Die 59-Jährige stammt aus Zadelsdorf (bei Zeulenroda) und lebt dort mit ihrem Mann in ihrem Elternhaus. Sie haben zwei Kinder und zwei Enkelkinder. In diesem Jahr hat Heike Stojanek 40 Jahre Betriebszugehörigkeit bei Bauerfeind aufzuweisen. Ihren gelernten Beruf – Näherin – übte sie jedoch kaum aus, aber der kommt ihr heute noch zugute: Als Personalreferentin ist Heike Stojanek jetzt für den Bereich Produktion Zeulenroda zuständig.