Der Planer

Michael Weiß, Deutschland

Michael Weiß ist der Prototyp eines geräuschlosen Arbeiters. Dabei hätte der 63-Jährige gute Gründe, groß aufzutrumpfen: Eine Vielzahl von Neu- und Weiterentwicklungen in der Grundbindung des Train-Gestrickes gehen auf sein Konto. Vor allem mit der 6. und 7. Generation der GenuTrain wird sein Name daher immer verbunden bleiben. Zuletzt entwickelte er das Gestrick der ManuTrain 8 mit. Im September geht Michael Weiß in den Ruhestand. Er hat dann 41 Jahre Betriebszugehörigkeit bei Bauerfeind aufzuweisen.

1981 beginnt Michael Weiß als Mechaniker im VEB Strickbandagen Zeulenroda. Er muss komplett neu eingearbeitet werden. Denn als gelernter Heizungsinstallateur ist das Einstellen und Reparieren von Strickmaschinen ein unbekanntes Gebiet für ihn. Doch der Quereinsteiger zeigt Talent. Das wundert nicht, stammt er doch aus einer Handwerkerfamilie mit Brüdern, die Klempner und Elektriker sind. 1990 wird aus dem VEB-Betrieb die Franz Anton KG und 1991 übernimmt Hans B. Bauerfeind. Michael Weiß entwickelt sich stetig weiter: Er wird bei Bauerfeind Strickmaschinenmechaniker in der Flachstrickerei, macht 1993 seinen Ausbilderschein bei der IHK und wird 1994 Teamleiter Flachstrick.

1997 wechselt Michael Weiß in die Entwicklungsabteilung, die damals noch in der Hohen Straße in Zeulenroda beheimatet war. Seine allererste Aufgabe: Entwickle ein Strickprogramm, um die Naht der GenuTrain an der Seite schließen zu können. Gesagt, getan! Als das BIC 1999 in der Triebeser Straße eröffnet wird, liegt der Fokus des Produktentwicklers schon voll auf den Bandagen. Er beschäftigt sich mit dem Gestrick, mit den Garnen, mit den Maschinen und mit ihrer Programmierung. Sein Chef fordert und fördert ihn, schickt ihn zu Weiterbildungen in die Schweiz, wo der Strickmaschinenhersteller ansässig ist. Michael Weiß muss auch nach Leipzig und Nürnberg, um zu lernen. Aber nie vergessen wird der Mann aus Läwitz, einem Ortsteil von Zeulenroda, seinen Besuch einer großen Textilmaschinenausstellung 1999 in Paris. Dienstreise nach Frankreich? Das war so weit weg und so undenkbar damals, 1981, als er wegen Rückenproblemen nicht mal mehr Heizungen installieren konnte. 

Michael Weiß, der sich 2005 das für alle nachfolgenden Bauerfeind-Bandagen prägende Hoch-/Tiefgestrick für die sechste Generation der GenuTrain ausgedacht hat, sitzt im BIC vor einem Rechner. Was für den Laien wie ein schöner bunter Bildschirmschoner aussieht, ist ein Strickprogramm. Am Computer wird entwickelt, wie die Maschinen stricken müssen, wenn sich am Produkt was ändert. „Ich weiß doch, was die Maschine kann und was die Strickgarne können. Dann programmiere ich eine neue Grundbindung und passe das an die anatomische Form an“, erläutert Michael Weiß. Ja, wenn man das schon so lange macht wie er, dann klingt es einfach – und die Ergebnisse sind laut Michael Weiß auch kein Zufall. „Entwicklungsarbeit ist Planarbeit“, sagt er. Dann zählt er einfach mal die unzähligen Punkte auf, die er abarbeitet, wenn ein neues Produkt zu entwickeln ist. Dabei vergisst er nicht, seine Kolleginnen und Kollegen zu erwähnen, die er vermissen wird, wenn er im Ruhestand nur noch seine privaten Pläne verfolgt. Nie würde sich Michael Weiß in den Vordergrund drängen, auch nicht nach 41 Jahren erfolgreicher Arbeit.