Ausgezeichnet entwickelt
Nachgefragt bei Sandra Popp und Karsten Knauer

Im April wurden die Farbeffekte Black Fire und Black Water von VenoTrain curaflow mit dem Red Dot Award 2025 für exzellentes Produktdesign prämiert. Das hatte die Jury beeindruckt: Bei der schwarzen Kompressionsversorgung schimmert bei Bewegung ein feuriges Rot oder kräftiges Blau durch. Idee und Entwicklung stammen von Sandra Popp und Karsten Knauer. Beide sind seit über 30 Jahren in der Strickentwicklung des Bauerfeind-Innovationscentrums.
Wann habt ihr gemerkt, dass ihr mit den Farbeffekten etwas Besonderes geschaffen habt?
Sandra Popp: Als nach zwei Monaten nach Markteinführung auf einmal das Material alle war, wurde uns das zum ersten Mal bewusst. Allein von Black Water wurde in dem Zeitraum das Doppelte von dem verkauft, was geplant war.

Ein gutes halbes Jahr sind Black Fire und Black Water jetzt auf dem Markt und die Nachfrage ist immer noch hoch. Wie seid ihr ursprünglich auf die Idee gekommen?
Karsten Knauer: Das kam eigentlich über die Entwicklung der Sportprodukte, in die ich ganz am Anfang auch involviert war. Wir haben uns damals viele Garne und Materialien besorgt und geprüft. Da habe ich auch Möglichkeiten für die rundgestrickten Strümpfe gesehen und nach einem Material gesucht, das beim Färben nicht mit anfärbt. Dieses Effektgarn behielt also seine Farbe, konnte aber leider die Eigenschaften, die für die rundgestrickten Serienprodukte erforderlich sind, nicht erfüllen.
Dafür hat es bei Flachstrick funktioniert?
Sandra Popp: Genau, ich saß damals noch bei Karsten im Büro und habe seine Versuche mitbekommen. Die Idee hat uns beide von Anfang an begeistert. Ich konnte sie also übernehmen und weiterdenken. Der Vorteil bei den Flachstrickversorgungen ist, dass wir gleich in der jeweiligen Farbe stricken und nicht färben müssen. Wir stricken also als Grundfarbe in Schwarz und der Schussfaden wird durch Rot oder Blau umwundenes Polyamid ersetzt.

Das klingt ja eigentlich ganz simpel?
Sandra Popp (schmunzelt): Ja, durchaus, aber man muss trotzdem erst mal darauf kommen. Glücklicherweise waren wir die ersten. Und ich muss dazu sagen, die komplette Entwicklung konnten wir nur in Zusammenarbeit mit unserem ganzen Team hier im BIC sowie den Kollegen in der Produktion stemmen, die uns in der Test- und Musterphase sehr unterstützt haben.
Wie lange dauert so ein Entwicklungsprojekt?
Sandra Popp: Die ersten Muster haben wir vor vier Jahren gestrickt. Ich weiß noch, wie die zuständige Produktmanagerin das erste Muster anprobiert hat und direkt meinte: ‚Sieht das geil aus!‘
Karsten Knauer: Mit dem offiziellen Projektstart durch das Produktmanagement haben wir dann genau ein Jahr daran gearbeitet. Zuerst müssen die Strickprogramme geschrieben und die Maschinen gesucht werden, auf denen wir mustern können. Dann gibt es verschiedene Muster-Phasen bis hin zur Nullserie, zu der dann alle Programme und Materialien termingerecht bereitstehen müssen. Das alles koordinieren, überwachen und dokumentieren wir.
Welche Herausforderungen hattet ihr dabei zu meistern?
Sandra Popp: Eine kleine Herausforderung war die Materialbeschaffung für den Einleger, also den Schussfaden. Das Umwindematerial kommt von Otex, aber der Einleger selbst kommt für jede Kompressionsklasse von einem anderen Hersteller. Und wir haben vier Kompressionsklassen bei VenoTrain curaflow.
Nach den Jahren der Entwicklung und den kleinen Herausforderungen: Was bedeutet euch die Auszeichnung mit dem Red Dot Award?
Karsten Knauer: Mich freut das sehr. Das ist so ein Projekt, da stimmt einfach alles, Aufwand und Nutzen. Das Produkt sieht toll aus. Wir sind aber relativ nah am bestehenden Produkt und hatten einen überschaubaren Entwicklungsaufwand. Trotzdem gibt es die hohe Akzeptanz des Marktes. Die investierte Kraft, Zeit und natürlich auch das Geld haben sich bei diesem Projekt auf jeden Fall gelohnt.
Sandra Popp: Wir sind schon sehr stolz, dass wir etwas geschaffen haben, mit dem wir so erfolgreich sind. Und wir sind sehr glücklich, dass wir die Ersten im Markt mit dieser Idee sind.

Zu den Personen
Beide sind Anfang 50 und seit mehr als 30 Jahren im Unternehmen: Sandra Popp und Karsten Knauer sind mit der Gründung des Bauerfeind-Innovationscentrums 1999 von der Produktion direkt in die Strickentwicklung gewechselt. Sie leisten wertvolle Projektarbeit bei der Überarbeitung unserer Produktpalette, wenn zum Beispiel neue Farben eingeführt werden oder die Produkte auf einer neuen Maschinengeneration gefertigt werden sollen. Dabei greifen Sandra und Karsten auf ihren großen Erfahrungsschatz zurück – und auf einen immensen Fundus an Materialien und Garnen. Die spielen eine Rolle, wenn etwas ganz Neues erschaffen werden soll, wie im Fall der Farbeffekte Black Fire und Black Water.