Wie läuft’s eigentlich mit der Ausbildung in Gera?
Azubi Emily Hamp und Ausbilderin Belinda Hornke im Interview

Im Saal auf der Nordseite der Betriebsstätte Gera in Etage 5 ist eine ganz besondere Atmosphäre zu spüren. Hier wird im Gegensatz zu anderen Produktionssälen nicht verpackt, gestrickt oder montiert. Es wird allein genäht: Deshalb hört man das Rattern der Nähmaschinen sehr gut. Tageslicht fällt durch die Fensterfront. Zusätzlich erhellen kleine Lampen die Nähtische. Dort sitzen Kolleginnen und Kollegen und nähen konzentriert. Hier und da werden Strickteile abgeholt und fertige Strümpfe zur nächsten Station gebracht. Zwischendrin: Teamleiterin und Ausbilderin Belinda Hornke, die gemeinsam mit Azubi Emily Hamp eine Naht betrachtet. Beide stehen für einen Meilenstein in der Betriebsstätte Gera, denn seit Sommer 2021 wird hier auch ausgebildet. Wir haben das Duo interviewt, und bekommen einen Einblick wie es in Gera in Sachen Ausbildung läuft.
Belinda und Emily, in welchem Fachbereich seid ihr denn anzutreffen in Gera?
B: Ich betreue das Team aus mittlerweile 34 Kolleginnen und Kollegen, das sich um die Produktion von maßgefertigten Kompressionsstrümpfen kümmert. Vor knapp acht Jahren habe ich meine Ausbildung bei Bauerfeind abgeschlossen und seit Sommer 2021 bilde ich selbst aus. Drei Azubis haben wir hier in Gera. Eine von ihnen ist Emily, die sich als erste für eine Ausbildung hier beworben hat.
E: Genau, ich bin in Belindas Team und werde Textil- und Modenäherin.
Wieso hast du dich für diese Ausbildung bei Bauerfeind entschieden?
E: Früher habe ich meinen Omas immer beim Nähen über die Schulter geschaut. Beide haben beruflich und privat leidenschaftlich gern genäht. Seitdem ist das Interesse bei mir geweckt.
Das heißt du hast privat auch schon genäht?
E: Mit zwölf habe ich meine erste Nähmaschine bekommen. Am Anfang habe ich damit Topflappen und Kosmetiktaschen genäht, später auch mal Hosen für Familie und Freunde gekürzt. Und mit 15 habe ich dann ein Schülerpraktikum bei Bauerfeind in Gera gemacht.
Dann hast du den Standort Gera erlebt, als hier alles sehr klein anfing …
E: Richtig. Belinda kannte ich da auch schon.
B: Ja, Emily kam damals in unser kleines Team – wir waren ja noch weniger als 10 Leute. 2019 wurde die Betriebsstätte erst gegründet.
E: Und in diesen zwei Wochen habe ich einiges gelernt, mir hat vor allem auch gefallen, dass die Kollegen nett waren. Das war mir wichtig – auch, wenn das komisch klingt. Schließlich waren es ja nur 2 Wochen. Aber dieses Teamgefühl hat sich auch bis heute nicht geändert.
Und das, obwohl mittlerweile alles viel größer ist und mehr als 120 Kolleginnen und Kollegen am Standort arbeiten?
E: Ja, es sind einfach offene und hilfsbereite Leute. Viele Kollegen kommen auch von selbst auf mich zu und geben mir Tipps. Das hilft sehr, um die Arbeitsschritte zu lernen!
Was muss man denn so können, wenn man Textil- und Modenäherin wird?
E: In der Berufsschule lernt man viel darüber, welchen Stoff man für welchen Zweck nutzt und woraus sie bestehen. In der Praxis nähe ich gerade Etiketten ein, Schweiße Gestrickteile und erstelle Farbmuster. Ich wechsele immer mal den Bereich, und lerne Neues dazu.
B: Genau, im ersten Jahr lernen Azubis das Nähen in der Serienproduktion. Wenn sie die Grundlagen draufhaben geht es in die Maßproduktion. Das ist schwieriger, weil individuell. Und für alle diese Tätigkeiten braucht man Fingerspitzengefühl. Das bringt Emily definitv mit.
Emily ist eine deiner ersten Auszubildenden, die du als Ausbilderin betreust. Worauf kommt es dir dabei besonders an?
B: Zuerst zeige ich ihr, wie die Arbeitsschritte funktionieren. Dann kann sie es selbst umsetzen und ich schaue mir ihr Handling an und unterstütze. Manchmal helfen auch andere Kollegen, denn auch wenn man es nicht glaubt: Beim Nähen hat jeder so seinen eigenen „Stil“.
Wie kann man sich das vorstellen?
B: Jeder greift sich die Teile zum Beispiel von einer anderen Seite, hält die Produkte anders. Jeder entwickelt seine eigene Technik, mit der er sich am besten fühlt und am effektivsten arbeiten kann. Diesen Prozess zu begleiten, das ist mein Job.
Das heißt Emily wird in den nächsten zwei Jahren eine Menge von dir lernen. Gibt es denn umgekehrt auch etwas, bei dem du von ihr lernen kannst?
B: Na sicher, Emily bringt ja ihr Wissen aus der Berufsschule in Gotha mit. Da können wir sicher die ein oder andere neue Technik ausprobieren. Wenn nicht im Job – dann vielleicht privat.
Also habt ihr auch privat die Lust am Nähen noch nicht verloren?
Emily: Nein, ich bin einfach generell ein kreativer Mensch – fotografiere, zeichne und nähe auch noch. Da hat man immer etwas zum Verschenken.
B: So geht’s mir auch. Ich muss mich bloß zu Hause immer erst einmal daran gewöhnen, dass ich einen kleineren Tisch habe. [beide lachen]
Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg weiterhin für euch!