"Wir brauchen jede Frau und jeden Mann"

Seit Herbst 2022 ist Katharina Dietrich als Vorständin Technik bei Bauerfeind für die Produktion, Logistik sowie für Forschung & Entwicklung zuständig. „Nahtlos“ sprach mit der 52-Jährigen über aktuelle Themen und Entscheidungen für die Zukunft.
Frau Dietrich, Produktion und Logistik platzen sprichwörtlich fast „aus allen Nähten“ und es stellt sich die Frage, wie wir die Bedarfe nach unseren Produkten weiter gut bedienen können. Wie gehen Sie das Thema an?
Mir ist bewusst, dass wir unseren Beschäftigten derzeit viel abverlangen. Es werden Extra-Schichten gefahren, um die Bestellungen abzuarbeiten und die Lager wieder zu füllen. Ich verfolge zwei Ansätze, um Lösungen für die Zukunft zu finden. Zum einen schauen wir, was wir intern verbessern können. Stichwort Lean Management. Dabei geht es um effizientes Arbeiten und optimale Prozesse in unserer gesamten Wertschöpfungskette.
Haben Sie Beispiele?
Ja. Wir führen in Zeulenroda einen Routenzug ein. Damit werden Materialien und Waren schnell, sicher und effizienter als bisher transportiert. Wir schauen auch, wie wir die Fertigung künftig beliefern wollen. Die Idee ist, das benötigte Material nicht kurzfristig auf Zuruf, sondern nach Plan, also zyklisch, zur Verfügung zu stellen, um Ruhe in diesen Prozess zu bekommen. Außerdem sehen wir Möglichkeiten, die Durchlaufzeiten vom Stricken bis zum Verpacken unserer Produkte zu reduzieren. Da reden wir um bis zu 20 Prozent! Das ist das Ergebnis eines Workshops, in dem wir den Prozess bei der Sports Knee Support verbessert haben. Die Umsetzung startet im Januar. Ich denke, wir haben intern noch mehr Potenzial, um zu optimieren.
Wird das reichen, um künftig alle Bedarfe zu decken?
Auf Dauer nicht. Deshalb brauchen wir den zweiten Lösungsansatz. Der beschäftigt sich mit der Frage: Wie entwickeln wir unsere drei Produktionsstandorte in Deutschland? Unser Sortiment umfasst neben den Medical-Produkten die b:joynz-Linie und unsere Sport-Produkte. Die Idee ist, in Zeulenroda, Remscheid und Gera vornehmlich Medical-Produkte herzustellen, denn hier steckt all´ unser Wissen und technologisches Know-how drin. Für technologisch weniger anspruchsvolle Produkte können wir uns langfristig strategische Produktionspartner suchen und so unsere Teams entlasten. Wir sind hier am Anfang von Recherchen, da ist nichts entschieden. Fakt ist: Wir brauchen in Deutschland Kapazitäten für die Medical-Produktion. Wir brauchen hier jede Frau und jeden Mann!