„Ein Neubau in Bieblach/Ost ist keine Option mehr“

Bauerfeind-Absage an die Stadt Gera

Seit über zwei Jahren sucht Bauerfeind in Gera eine geeignete Fläche, um eine neue Produktionsstätte zu bauen. Das von der Stadt angebotene Gewerbegebiet „Bieblacher Berg“ wurde gemeinsam in Betracht gezogen. Doch es ist nicht abzusehen, dass dafür Baurecht erteilt wird. Nun hat der Bauerfeind-Vorstand die Stadt und die Kolleginnen und Kollegen in Gera darüber informiert, sich von dem Vorhaben zurückzuziehen. Über die Gründe spricht Katharina Dietrich, Vorständin Technik, im Nahtlos-Interview.

Frau Dietrich, wie ist der aktuelle Stand zum Bauvorhaben im Geraer Stadtteil Bieblach/Ost?

Katharina Dietrich: Wir haben dem Oberbürgermeister der Stadt Gera diese Woche zuerst persönlich und dann ganz offiziell schriftlich mitgeteilt, dass Bauerfeind ein Bauvorhaben in Bieblach/Ost nicht mehr in Betracht zieht. Gleichzeitig haben wir uns bei ihm für den stets guten Austausch bedankt. Der Wille, uns eine passende Fläche für einen Neubau in Gera anzubieten, war immer zu spüren.

Was sind die Gründe für den Rückzug?

Katharina Dietrich: Mangelnde Aussichten auf Erfolg. Die Frage ist nicht beantwortet, ob wir dort überhaupt bauen dürfen. Es gab mehrere Grundstücke, die uns angeboten wurden. Am Ende war das Grundstück in Bieblach/Ost die einzige Option für einen Neubau in Gera, denn es hat die passende Größe und ist sehr gut erreichbar für Beschäftigte und für die Logistik. Aber von Beginn an gab es Diskussionen darüber, ob und wie Naturschutz und Gewerbeansiedlung miteinander in Einklang gebracht werden können. Eine von allen Seiten akzeptierte Lösung für die dort lebenden Zauneidechsen wurde zum Beispiel bis heute nicht gefunden. Nach über zwei Jahren der Planung sehen wir einfach keine Perspektive, in absehbarer Zeit das unanfechtbare Baurecht zu erhalten. Daher ist ein Neubau im Gewerbegebiet „Bieblacher Berg“ für uns keine Option mehr.

Wie geht es jetzt weiter in Gera?

Katharina Dietrich: Diese Frage wurde uns in Gera auch gestellt und die Antwort ist: Wir bleiben der Stadt und dem Standort verbunden. Bauerfeind hat im Gewerbegebiet Keplerstraße eine unglaublich erfolgreiche Entwicklung vollzogen. Im Sommer 2019 wurde mit sieben Beschäftigten die Produktion gestartet. Mittlerweile leisten hier 220 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine tolle Arbeit. Gera ist ein vollwertiger Produktionsstandort – und diesen Standort brauchen wir, um insgesamt die Nachfrage nach unseren Produkten zu decken. Deshalb erweitern wir unsere Kapazitäten.

Wo genau?

Katharina Dietrich: Zunächst in den bereits angemieteten Räumen, also in der Keplerstraße 35 und in der Keplerstraße 26. Dort sind schon über 7.000 Quadratmeter belegt und noch ist da Platz für weitere Maschinen. Wir haben daher überhaupt keinen Anlass zur Hektik, schnell irgendwas Neues zu mieten. Natürlich halten wir Augen und Ohren offen. Aber am Ende muss immer alles passen, das ist beim Mieten wie beim Kaufen und auch bei einem Neubau so. 

Bauerfeind in Gera hat eine beeindruckende Entwicklung hingelegt. Das zeigt folgende Bilderreihe:

Im Juli 2019 eröffnete Bauerfeind die neue Betriebsstätte im Geraer Gewerbepark Keplerstraße.

Zu Beginn fertigte ein kleines Team Orthesen für den Ellenbogen und Bandagen für das Sprunggelenk.

100 Tage: Im September 2019 besuchte Geras Oberbürgermeister Julian Vonarb die Betriebsstätte. Zahlreiche Medienvertreter waren eingeladen und berichteten im Anschluss.

Juli 2020: Zum ersten Geburtstag durfte eine Torte vom lokalen Bäcker nicht fehlen.

Ab Ende 2020 wurden in Gera neben Bandagen und Orthesen auch flachgestrickte Kompressionsstrümpfe hergestellt. Damit es losgehen konnte, brachte ein Team die ersten Strickmaschinen von Zeulenroda nach Gera.

Bauerfeind macht immer wieder aufmerksam auf Jobs in Gera. Auch diese Straßenbahn hat sich im Stadtbild „etabliert“.

Volltreffer! Innerhalb der ersten zwei Jahren entwickelte sich die Betriebsstätte zu einem vollwertigen Produktionsstandort – Grund genug, um am 15. Juli 2021 in der Mittagspause im Freien zusammen zu kommen.

Bauerfeind erweiterte im Mai 2022 erneut die Produktionskapazitäten in Gera. Neu bezogen wurden Räumlichkeiten in der Keplerstraße 26, etwa 800 Meter vom 2019 eröffneten Standort in der Keplerstraße 35 entfernt.

Voll bei der Sache: Bodo Ramelow im August 2022 bei einer Werksführung. Gemeinsam mit Geras Oberbürgermeister Julian Vonarb bekam der thüringische Ministerpräsident Einblicke in die Produktion.

Im Herbst 2022 wurde Annett Eckstein als die 200. Mitarbeiterin in Gera eingestellt. Aktuell fertigen 220 Kolleginnen und Kollegen am Standort 46 verschiedene Produkte auf mehr als 7.000 Quadratmetern Fläche.

In dieser Woche waren die General Manager der Bauerfeind-Tochtergesellschaften zu Gast in Zeulenroda, um über Projekte und Maßnahmen im Jahr 2023 zu sprechen. Auf dem Programm stand unter anderem ein Besuch in der Betriebsstätte in Gera.