Perfect Match beim Haftband für die GenuTrain
Ein Haftband annähen. Klingt einfach, ist es aber nicht bei der GenuTrain. Damit die Comfort-Größen jetzt auch mit Noppenhaftband angeboten werden können, musste eine neue Technologie gefunden werden. Wie das mit der Hilfe von erfahrenen Näherinnen aus der Produktion gelang, erzählen uns die beiden Teilprojektleiter. Zwei, mit einem perfekten Draht zueinander: Für Heike Urbansky vom Bauerfeind Innovationscentrum (BIC) war es ihr finales Projekt im Beruf, für Produktmanagerin Clara Steinmüller das erste große.

Seit dem 15. September 2025 gibt es die Comfort-Größen der GenuTrain auch mit zusätzlichem Haftband. Die Umsetzung des Projektauftrags für die serienreife Produktion war komplex. Wann wurde Euch klar, es wird herausfordernd?
Heike Urbansky: Eigentlich sehr schnell. Das Annähen eines Haftbandes an eine fertig konfektionierte GenuTrain, also inklusive Pelotte und Seitenstäbe, war mit der bestehenden Technologie unserer Seriennähmaschinen nicht möglich. Ein Umbau oder Neubau ist immer zeitintensiv. Dazu haben wir früh festgestellt, dass der Arbeitsgang des Annähens sehr viel Erfahrung und Fingerfertigkeit erfordert. Die weitere Variante war also kein kleiner Zusatz, sondern ein spannendes Entwicklungsprojekt, das ich vor Ende meiner Arbeitstätigkeit 2025 gern selbst noch zum Abschluss bringen wollte.
Clara Steinmüller: Für mich war es mein Einstiegsprojekt ins Produktmanagement. Wir wussten vom Außendienst und Kundenservice, dass es im Fachhandel Bedarf gab nach mehr Möglichkeiten in der Serienversorgung. Bei Patienten mit konischer Beinform und sehr weichem Bindegewebe brauchte es eine Haftband-Variante für sicheren Halt. Anfangs dachte ich tatsächlich kurz: Das ist fassbar. Aber schon in der ersten Besprechung mit Heike und dem Projektteam habe ich gesehen, wie viele Faktoren für eine Serienproduktion zusammenspielen müssen: Technik, Qualität, Kosten und vor allem Termine.

Was genau machte das Annähen eines Noppenhaftbandes bei der GenuTrain so anspruchsvoll?
Heike Urbansky: Ihr komplexer Aufbau und die Anforderung, keine Änderung am bisherigen Produkt vorzunehmen. Die GenuTrain hat als fertig konfektionierte Bandage eine Art „Inneneinrichtung“. Ihre integrierten Funktionselemente wirken sich auf den Nähfluss aus. Die Pelotte hat ein Eigengewicht, die Seitenstäbe mit Anziehhilfe reichen bis in den oberen Randbereich. Das sind alles Störfaktoren beim Nähen, die ausgeglichen werden müssen. Wir mussten also eine Lösung finden, die die Bandage sicher führt und ein sauberes Nähergebnis gewährleistet. Die entscheidende Idee kam von einer erfahrenen Näherin aus dem Rundstrickbereich, Andrea Grüner, welche uns noch vor eigentlichem Projektbeginn unterstützte. Sie schlug vor, den Zylinder zu verändern, auf dem die Bandage zum Nähen aufgespannt wird. Das war der Durchbruch.
Clara Steinmüller: Schon davor hatten Näherinnen mit ihren Ideen für Änderungen geholfen, einer Lösung näher zu kommen. In der darauffolgenden Phase haben sie ebenfalls maßgeblich unterstützt, allen voran Romy Winkler aus dem Team von Steffi Schein BWK1. Sie ist mit der Fertigung der GenuTrain sehr vertraut und hatte auch schon Näherfahrung mit Haftbändern bei Maßbandagen. Gemeinsam mit einer Firma aus Baden-Württemberg haben wir eine Testnähmaschine aufgebaut und die Technologie Schritt für Schritt mit unseren Technikern und Näherinnen weiterentwickelt. Romy hat viele der Vor-Ort-Termine begleitet und Änderungen mit aufwändigen Musterungen getestet. Es war ein echter Meilenstein, als wir das Nähergebnis erreicht hatten, mit dem in eine Serienproduktion übergeleitet werden konnte.
Verlief die Markteinführung dann zeitlich nach Plan?
Heike Urbansky: Letzten Endes ja und viele Abteilungen haben im Vorder- und Hintergrund wie ein Räderwerk zu diesem Erfolg beigetragen. Auch Aufgabenpakete wie eine rechtzeitige Materialbereitstellung, fachkundige technologische Nähmaschinenkenntnisse, das Überleiten von der Entwicklung in die Fertigung und vieles mehr sind für das zeitgemäße Umsetzen des geplanten Projektablaufes wichtig. Dass am Schluss aber alles genau aufgegangen ist, verdanken wir auch wieder dem Einsatz der Näherinnen. Kurz nach Anlieferung der Maschinen wurde die Fertigung an ein neues Team übertragen, das noch keine Erfahrung mit der GenuTrain und Haftbändern hatte. Petra Fritzsche, Antje Pudel und die anderen Näherinnen von BK7 haben sich dieser Herausforderung gestellt und das Handling sehr schnell angeeignet, so dass die Zeit kompensiert werden konnte und es zu keiner Verzögerung kam.
Clara Steinmüller: Aus Produktmanagementsicht durfte uns hier eine Punktlandung gelingen und ich weiß jetzt, wie wichtig es ist, diejenigen, die mit den Produkten und Technologien täglich arbeiten, von Anfang an einzubinden. Obwohl keine Änderungen an der Konstruktion der GenuTrain vorgenommen werden mussten, waren viele Details zu beachten, externe Partner dazu zu holen und Maschinen umzubauen.

Sie bringen das Haftband an die GenuTrain: Romy Winkler (links außen) vom Team BWK1 begleitete die Musterungen, Petra Fritzsche (rechts vorn) und Antje Pudel (rechts außen) vom Team BK7 übernahmen neu die Fertigung, Heike Urbansky (zweite von rechts hinten) und Clara Steinmüller (dritte von rechts hinten) leiteten das Projekt.
Ihr habt das Projekt ab 2023 zusammen begleitet, was nehmt Ihr für Euch mit aus der gemeinsamen Zeit?
Clara Steinmüller: Dass es für fast jedes Problem eine Lösung gibt, wenn man dranbleibt und Aufgabenpakete klar priorisiert. Heike hatte immer schon die nächste Idee und wusste, Risiken abzuschätzen. Mein erstes Projekt war durch sie eine so gute Erfahrung und sie hat mir viel beigebracht. Ich bin ihr sehr dankbar und freue mich, das nächste zu beginnen.
Heike Urbansky: Für mich war es ein sehr schöner Abschluss meines Arbeitslebens bei Bauerfeind und eine Freude noch einmal zu spüren, wie verschiedene Abteilungen und Gewerke sehr angenehm und kollegial an einem Ziel zusammenarbeiten. Ich hatte bei der Planung die Möglichkeit, meine Erfahrungen zum organisatorischen und terminlichen Projektablauf unter Berücksichtigung eventueller Schwierigkeiten einzubringen und Projektwissen an die junge Kollegin Clara weiterzugeben. Clara war offen, mit Blick für das große Ganze und hat immer sehr gute Vorlagen für uns in den Abstimmungsrunden erarbeitet. Jeder kannte seine Aufgabe und wir wussten, dass wir uns aufeinander verlassen konnten, auch wenn mal nicht alles „rund“ lief. Schlussendlich gab es immer eine Lösung.