Offen und Ehrlich informieren

Peggy Lindner, Deutschland

Wie sage ich meinem Team, dass es in Kurzarbeit gehen muss? Wie können wir die Hygieneregeln einhalten? Und wie das Beste aus dieser Situation machen? Diese Fragen hat sich Peggy Lindner in den vergangenen Wochen gestellt. Als Teamleiterin im Bereich Strickerei koordiniert sie die Fertigung eines Großteils der flach­gestrickten Produkte – ein hoher Organisationsaufwand. Mit einer offenen Kommunikation und viel Koordination hat Peggy Lindner ihr Team bisher durch die Krise manövriert.

Sie verantworten die Bereiche, in denen nahezu alle flachgestrickten Bauerfeind-Produkte gestrickt werden. Wie können wir uns Ihren Arbeitsalltag vorstellen?

Hauptsächlich bin ich damit beschäftigt, meine zwei Teams aus 50 Mitarbeitern zu führen. Ich koordiniere die Schichten, teile die Maschinen ein, begleite Musterungen und Nullserien – insgesamt ist es viel Organisa­tion. Früher, als das Team noch kleiner war, habe ich auch ab und zu selbst mitgestrickt – mittlerweile komme ich dazu nicht mehr.

Heißt das, Sie würden ab und zu auch selbst gerne an der Maschine sein?

Ja schon, einfach um auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Ich gehe trotzdem häufig an die Produktionsplätze und spreche mit den Kollegen – da können wir bei Problemen recht früh gegensteuern. Aktuell stricken wir die Tragetests für verschiedene Train-Produkte ab.

Wie schaffen Sie es denn die Arbeit normal weiterzuführen und trotzdem die Hygiene-und Abstandsregeln einzuhalten?

Aktuell begegnen sich die Früh- und Spät­schicht nicht: Die Teams hören etwas eher auf bzw. fangen etwas später an. Es müssen jeweils 1,5 Meter Abstand eingehalten wer­den. Das geht ganz gut, weil ein Mitarbeiter bei uns 4 – 7 Maschinen betreut und damit einen recht großen Arbeitsbereich für sich alleine hat. Masken sollen getragen werden, wenn sich die Kollegen länger als 15 Minuten unterhalten.

Welche Herausforderungen hat die Situation sonst für Sie und ihr Team mit sich gebracht? 

Die Auftragseingänge wurden immer we­niger und es war schnell klar, dass wir in Kurzarbeit gehen werden – und natürlich musste ich schauen, wie wir das am besten lösen. Ich habe die Schichten neu zusam­mengestellt, im Curaflow-Team haben wir die Nachtschicht weggelassen und einige Mitarbeiter haben erstmal ihre Überstunden abgebaut.

Wie haben Sie ihren Teams erklärt, dass es Kurzarbeit geben wird?

Ich habe alle zusammengeholt und hatte zuerst schon ein mulmiges Gefühl. Ich weiß ja, dass das Thema Unsicherheiten hervor­ruft. Mir war wichtig, dass ich von Beginn an offen und ehrlich mit meinen Teams spreche und nichts beschönige – aber auch gleich­zeitig zeige, dass wir die Situation für uns nutzen können.

Welche Vorteile sehen Sie denn?

Wir können jetzt Mitarbeiter für weitere Arbeitsgänge anlernen. Die Mitarbeiter kön­nen sich dadurch weiterentwickeln und wir flexibler auf Abwesenheiten reagieren. Und wir warten einige Maschinen, das dauert teil­weise bis zu 7 Tage für eine Maschine. Nun stellen wir uns weiterhin Woche für Woche auf die aktuelle Auftragslage ein, die sich glücklicherweise wieder positiv entwickelt.

Über Peggy Lindner

Peggy Lindner ist gelernte Textilmaschinenführerin. 1997 hat sie ihre Ausbildung bei Bauerfeind begonnen, nach ihrer Lehre eine Meister-Ausbildung absolviert und ist seit 2007 Teamleiterin in der Strickerei in Zeulenroda. Aktuell trägt sie Verantwortung für 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Bereichen Flachstrick BS (Bandagen-strickerei) und Flachstrick BK3 (Maßfertigung Curaflow). Hergestellt werden dort bei­spielsweise die Produkte der Train-Reihe, z.B. MalleoTrain, LumboTrain und EpiTrain. Zudem unterstützt sie den Bereich OK1 (Orthesenkon-fektion). In ihrer Freizeit ent­spannt sie sich gerne in ihrem Garten und bei Fahrradtouren mit ihrer Familie.