3D-Druck

Stark im Doppel

Anfang Januar wurde die aktualisierte Version der Systemlösung BODYTRONIC ID:CAM mit der zusätzlichen Option 3D-Druck veröffentlicht. Die Produktmanager der Sparte Fußorthopädie Nadine Ludwig und Michael Seidler waren maßgeblich an der Entwicklung beteiligt und geben im Interview Einblicke in das Projekt. 

3D-Druck von Bauerfeind – was genau steckt dahinter?

Nadine: BODYTRONIC ID:CAM ist unsere Webanwendung oder auch Systemlösung, mit der Fachhändler Einlagen digital modellieren können. Bislang wurden die Einlagen dann bei Bauerfeind gefräst. Mit der neuen Version können die Einlagen jetzt auch per 3D-Druck gefertigt werden – entweder beim Kunden im eigenen Fachgeschäft oder zentral bei Bauerfeind. 

Michael: Das Besondere ist: Wir bieten keinen Standard-Seriendruck, sondern einen maßgeschneiderten 3D-Druckprozess. Dadurch können Fachhändler jetzt noch individueller und flexibler produzieren. 

Seit wann beschäftigt ihr euch mit dem Thema?

Nadine: Seit rund fünf Jahren. Richtig Fahrt aufgenommen hat das Thema, als klar wurde, wie relevant es für den Markt ist – auch im Wettbewerb. Mit der Freigabe des Vorstands vor zwei Jahren konnten wir dann gezielt an unserem individuellen 3D-Druck-Konzept arbeiten. Zu Beginn haben wir dafür eine Taskforce mit Kollegen aus dem Vertrieb gebildet. Sie haben uns die Wünsche und Anregungen der Kunden aus dem Markt mitgebracht und gemeinsam haben wir geschaut, ob und wie wir das umsetzen können. 

Dass ihr dafür BODYTRONIC ID:CAM nutzt, war von Anfang an klar?

Nadine: Seriendruck kam für uns nie infrage. Wir wollten keine neue Software, sondern weiterhin BODYTRONIC ID:CAM als individuelle Einlagensoftware nutzen. Gemeinsam mit unserem Dienstleister Voxelcare haben wir deshalb ein komplett auf unsere Anforderungen zugeschnittenes Konzept entwickelt.

Michael: Wir haben nichts „von der Stange“ übernommen. Materialien, Module, Darstellungen – alles wurde auf unsere Bedürfnisse angepasst.

Außerdem habt ihr euch bewusst für den Pellet-Druck entschieden. Warum?

Michael: Wir haben verschiedene Technologien getestet – Filament-Druck hat uns nicht überzeugt. Der Pellet-Druck war technisch die beste Lösung und am Ende auch wirtschaftlich darstellbar. Pellets sind feinkörnige Kunststoffgranulate. Im Gegensatz zu Filamenten handelt es sich nicht um Fäden, sondern um loses Granulat, das aufgeschmolzen und schichtweise zu individuellen Einlagen aufgebaut wird.

Michael, du bist während des Projekts aus der Technologie ins Produktmanagement gewechselt. Wie hat sich deine Rolle verändert?

Michael: Ich komme aus der Produktion und war anfangs vor allem technischer Umsetzer. Heute bin ich stärker systemisch unterwegs und prüfe weiterhin: Ist das, was entwickelt wird, auch produktionsseitig machbar? Nadine ist Product Owner für BODYTRONIC ID:CAM und hat die gesamte Projektleitung.

Nadine, was war denn die größte Herausforderung bei diesem Projekt?

Nadine: Gar nicht so sehr die Technik, sondern vor allem das Gesamtkonzept: Wie bringen wir das Thema in den Markt? Wer übernimmt das Aufstellen der Drucker bei den Kunden und den Support? Wie funktionieren die Prozesse im Hintergrund? Das war neu. Hier war die Zusammenarbeit mit dem Bereich Messtechnik extrem wichtig und hilfreich. Ohne diese Unterstützung hätten wir das Projekt nicht in der Zeit realisieren können.

Welche Rückmeldungen bekommt ihr aus der Praxis?

Michael: Kunden, die affin für Technik sind, sind total begeistert. Man muss sich aber wirklich damit beschäftigen – es ist kein „Knopf drücken und fertig“.

Nadine: Gerade unsere Pilotkunden bringen viele Ideen und konstruktives Feedback. Der Austausch ist sehr intensiv und durchweg positiv. 

Was könnt ihr aktuell über die Marktentwicklung sagen?

Nadine: Die Nachfrage ist sehr hoch. Für viele Kunden ist der 3D-Druck nicht nur ein Produktionsverfahren, sondern auch ein starkes Marketinginstrument. International sehen wir ebenfalls großes Potenzial – auch wenn die Märkte sehr unterschiedlich funktionieren. Seit dem Marktstart haben wir in der DACH-Region 25 Drucker bei unseren Kunden installiert, weitere 32 sind bereits avisiert und werden in den kommenden Wochen in Betrieb genommen.

Michael: Es fühlt sich an, als käme das Thema genau zum richtigen Zeitpunkt. Viel später hätte es nicht sein dürfen.

Hat Bauerfeind hier eine besondere Rolle im Markt?

Nadine: Ja, definitiv. Wir merken, dass unsere Entscheidung Vertrauen schafft. Wenn Bauerfeind 3D-Druck anbietet, dann glauben viele: Das hat Substanz. Unser umfassender Service- und Schulungsansatz macht das Gesamtpaket im Markt einzigartig. So nehmen wir Berührungsängste und führen unterschiedliche Generationen an die additive Fertigung heran.