Neues von der Baustelle
„Eure Hainbuchen sind noch Jungspunde“
Das war ein Ereignis, als Ende April 30 Hainbuchen vom Tower-Parkplatz an einen Zwischenstandort in der Bauerfeind-Allee umgesetzt wurden. In zwei Jahren sollen sie an ihren endgültigen Platz auf dem neuen Campus zurückkehren. Wie das funktioniert, wieso zwei Bäume stehen blieben und warum man alte Bäume doch verpflanzen kann, darüber sprach „Nahtlos“ mit Dr. Bernd Küster. Als wir mit dem 57-Jährigen telefonieren, kommt er gerade vom Einsatz: Seit vielen Jahren organisiert der Diplom-Forstwirt für die Firma Opitz Großbaumverpflanzungen und ist dafür ziemlich viel unterwegs.

Herr Dr. Küster, wo erwischen wir Sie gerade?
Fast noch auf der Straße tatsächlich. Ich komme gerade von einem Schwertransport. In einem Begleitfahrzeug, ausgestattet mit Rundumlicht, haben wir einen Baum-Transport über rund 80 Kilometer Bundesstraße und Autobahn abgesichert.
Wie geht´s unseren Hainbuchen in Zeulenroda?
Sehr gut, ich habe mir aktuelle Bilder schicken lassen. Die Bäume sehen nach wie vor sehr gut aus.
Wie lange dauert es, bis die Bäume wieder richtig angewachsen sind?
Bei einer normalen Verpflanzung dauert es meist zwei bis drei Jahre, bis sich ein Baum vollständig erholt hat. Bei Euren Hainbuchen ist die Situation etwas besonders: Sie stehen aktuell an einem Zwischenstandort. Dort sollen sie sich wohlfühlen, auch neue Wurzeln bilden, bevor sie in zwei Jahren an ihren endgültigen Platz auf dem neuen Campus zurückkehren. Man kann sich das ein bisschen wie eine Reha-Maßnahme vorstellen. Die Bäume sammeln neue Kraft, regenerieren und kommen dann gestärkt wieder.
Die Firma Opitz hat bereits mehr als eine Million Bäume umgesetzt. Gab es bei Bauerfeind besondere Herausforderungen?
Jede Verpflanzung ist eine Herausforderung für sich, weil wir immer andere Gegebenheiten haben – seien es die Bodenverhältnisse, das Wetter oder der Transport. In Zeulenroda lief allerdings alles ausgesprochen gut. Die Bäume waren in einem sehr guten Zustand und die Organisation war hervorragend. Frau Wimmer (Sandra Wimmer, Teamleiterin Bauliche Infrastruktur und Werterhalt bei Bauerfeind – Anm. der Redaktion) hat das alles perfekt vorbereitet. Das hat richtig Spaß gemacht.
Auf dem Tower-Parkplatz sind zwei Hainbuchen stehen geblieben. Warum?
Richtig, zwei Bäume sind stehen geblieben. Zuerst haben wir uns auch gewundert und ich musste schauen, dass wir die nicht aus Versehen doch noch mitnehmen (lacht). Aber die Erklärung ist einfach: Diese beiden Bäume stehen den Bauarbeiten offenbar nicht im Weg. Wenn ein Baum bleiben kann, muss er natürlich nicht umgesetzt werden.

Es heißt doch immer: „Einen alten Baum verpflanzt man nicht.“ Warum klappt das bei Ihnen trotzdem – und sogar innerhalb von zwei Jahren gleich zweimal?
Zum einen wegen der Technik. Wir arbeiten mit speziellen Rundspatenmaschinen, die dafür entwickelt wurden, möglichst viele Wurzeln mit zu verpflanzen. Zum anderen kommt es auf die Nachsorge am Zwischenstandort an: Hier werden die Wurzeln nochmal nachgeschnitten und gepflegt, die Kronen zurückgeschnitten, um den Wurzelverlust auszugleichen. Stahlseile geben den Bäumen zusätzlichen Halt. Außerdem müssen sie regelmäßig und ausreichend bewässert werden.
Was nun das Alter betrifft: Eure Hainbuchen sind etwas über 20 Jahre und eigentlich noch Jungspunde, wenn man bedenkt, dass Hainbuchen 200 bis 250 Jahre alt werden können. Wir verpflanzen viel ältere Bäume. Aber unabhängig davon: Bei einem Umzug ist es bei alten Bäumen wie bei alten Menschen: Man muss sich einfach gut kümmern!
Was war der älteste Baum, den sie persönlich erfolgreich umgesetzt haben?
Eine etwa 100-jährige Eiche im Raum München.
Gibt es eigentlich eine Anwachsgarantie für unsere Hainbuchen?
Ich sehe natürlich erst genau, wie sich die Wurzeln im Zwischeneinschlag entwickelt haben, wenn ich die Bäume wieder ausgrabe. Aber die Voraussetzungen in Zeulenroda sind ausgesprochen gut. Eure Hainbuchen waren vital, die Planung sehr sorgfältig und die Pflege stimmt ebenfalls. Daher bin ich für alle Bäume sehr, sehr optimistisch und freue mich schon darauf, sie in zwei Jahren an ihren endgültigen Standort zurückzubringen.

Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Haben Sie einen Lieblingsbaum oder einen Lieblingspark?
Ja, da gibt es sogar viele. Wenn ich mich aber für einen entscheiden sollte, der für meinen Beruf bedeutend war und mich sehr beeindruckt hat, dann ist das der Branitzer Park bei Cottbus. Er wurde im 19. Jahrhundert von Fürst Hermann von Pückler-Muskau gestaltet. Pückler hat schon damals große Bäume umgesetzt und dafür spezielle Pflanzwagen genutzt. Er war gewissermaßen der erste Großbaumverpflanzer Deutschlands. Der Park ist absolut sehenswert. Dort stehen heute noch Bäume, die wurden vor mehr als 175 Jahren erfolgreich umgesetzt!
Die 1964 gegründete Firma Großbaumverpflanzung Opitz GmbH & Co. KG aus Heideck in Bayern ist darauf spezialisiert, ausgewachsene Bäume – teilweise mit enormen Stammumfängen und Wurzelballen – an neue Standorte zu versetzen, statt sie zu fällen. Für Bauerfeind in Zeulenroda wurden Ende April 30 Hainbuchen vom Tower-Parkplatz in einen Zwischenstandort an der Bauerfeind-Allee umgesetzt. Sie kommen in zwei Jahren zurück an ihren endgültigen Standort.