Blick hinter den Bauzaun
„Wir wollten die Idee von Bewegung in Architektur übersetzen“

Mit dem Campus-Projekt wächst Bauerfeind in Zeulenroda weiter: Auf einer Fläche von 4,5 Hektar greifen künftig Produktionshalle mit BIC, Rohwarenlager, Community Center und großzügige Grünflächen ineinander. Welche Idee dahintersteht, erklärt Architekt Sergei Tchoban im Gespräch.
Herr Tchoban, wie entwickeln Sie einen Entwurf für ein Unternehmen?
Am Anfang steht immer der Dialog mit dem Auftraggeber. Wir wollten verstehen, wofür Bauerfeind steht und was das Unternehmen ausmacht. Für uns ist Bauerfeind ein echter Innovator und sorgt seit Jahrzehnten dafür, Menschen beweglicher zu machen und ihnen mehr Lebensqualität zu ermöglichen. Diese Idee wollten wir auch architektonisch aufgreifen. Deshalb finden sich im Entwurf fließende Linien, offene Räume und Gebäudeformen, die Dynamik ausstrahlen.

Ganz wichtig ist dabei für mich, mit einer Zeichnung zu beginnen. Hier erkennt man bereits wesentliche Merkmale: die Grundformen, die geschwungenen Linien oder die Verbindung zwischen Innen- und Außenraum. Vieles entsteht dabei spontan. Architektur ist nicht nur Logik und Funktion, sondern auch Kreativität und Intuition. Diese Spontanität gehört für mich unbedingt dazu.
Was wird die Beschäftigten Ihrer Meinung nach am meisten überraschen?
Ich glaube, zunächst wird es der deutlich größere Grünraum sein. Die neue Promenade, die Aufenthaltsbereiche und die Verbindung von Architektur und Landschaft werden das Gelände stark verändern. Außerdem entstehen Gebäude mit einer offenen und großzügigen Raumwirkung. Die Räume sollen zum Durchatmen einladen. Wir wollen Orte schaffen, an denen man sich wohlfühlt, sich begegnet und kreativ aufladen kann.
Was macht einen Campus eigentlich aus?
Ein Campus ist für mich viel mehr als eine Ansammlung von Gebäuden. Entscheidend ist der Raum dazwischen. Ein Campus bietet Orte für Begegnungen, Gespräche und auch für Momente, in denen man einfach einmal alleine unterwegs ist. Der Arbeitsplatz ist heute mehr als nur ein Ort, an dem gearbeitet wird. Er soll ein Ort sein, an dem man gerne bleibt. Ein guter Campus verbindet Arbeiten und Kommunikation, Erholung und Inspiration.
Das Community Center mit neuem Mitarbeiterrestaurant spielt eine zentrale Rolle. Warum?
Weil dort das Leben des Unternehmens sichtbar wird. Menschen aus unterschiedlichen Bereichen treffen sich hier, tauschen sich aus und kommen miteinander ins Gespräch. Gleichzeitig ist das Gebäude Anlaufpunkt für Gäste. Deshalb haben wir ihm auch architektonisch eine besondere Rolle gegeben. Entlang der neuen Achse durch das Gelände entstehen markante Gebäude. Der Tower ist heute bereits ein solcher Orientierungspunkt. Das Community Center wird künftig ein weiterer sein.
Wie haben Sie es geschafft, Neues zu schaffen und gleichzeitig den Charakter des Standorts zu bewahren?
Mit Respekt vor dem Bestehenden. Der Tower und die vorhandenen Gebäude erzählen bereits die Geschichte dieses Standorts. Unser Ziel war nicht, diese Geschichte zu ersetzen, sondern sie weiterzuschreiben. Das Neue soll das Alte nicht verdrängen. Vielmehr soll es die bestehenden Qualitäten hervorheben und ergänzen. Deshalb entsteht ein Ensemble, in dem unterschiedliche Bauabschnitte erkennbar bleiben und dennoch harmonisch zusammenwirken.
Ich hoffe sehr, dass der Campus für viele Beschäftigte zu einem Lieblingsort wird. Denn am Ende schaffen wir diese Architektur für die Menschen, die dort jeden Tag arbeiten.

TCHOBAN VOSS gehört zu den bekanntesten deutschen Architekturbüros und hat Standorte in Hamburg, Berlin und Dresden. Das Unternehmen hat mehr als 150 Beschäftigte und plant Projekte für öffentliche und private Auftraggeber weltweit. Sergei Tchoban ist international nicht nur als Architekt bekannt, sondern auch als Künstler und Sammler von Architekturzeichnungen.